LEERRAUM – Über die Künstler*innen

Abbildung: Michael Kruscha, Tagebau Welzow-Süd, 2011


Ayumi Kobayashi

Die Arbeit Empty Space konzentriert sich auf die Darstellung des leeren Raums und reduziert die Vordergrundelemente stark. Die vertikalen und horizontalen Linien sind so weit wie möglich minimiert, manchmal bis auf einzelne Pixel. Die minimalistische Schwarz-Weiß- Komposition ist ein Ansatz, der sich auf Suiboku-ga bezieht, wobei ich hauptsächlich Tusche, Mischtechniken und unbemaltes Japanpapier verwende. Ich bin stark von der frühen asiatischen Tuschemalerei und den Ideen von De Stijl beeinflusst worden. Diese Arbeit begann als Versuch, die Möglichkeit der Verschmelzung japanischer und westlicher reduktiver Ästhetik zu erkunden.
Ich beziehe die verschiedenen Elemente, die mich umgeben, mit ein und spiegele ihre Asymmetrie, Unvollkommenheit und Vergänglichkeit in meiner Arbeit wider. Ich bin daran interessiert, das Volumen leerer Flächen und den Reichtum des Volumens darin zum Ausdruck zu bringen, um etwas in den Empfindungen des Betrachters zu wecken.


1964 in Ehime, Japan geboren; 1995-1998 Studium
und Abschluss an der Setsu Mode School of Fine Arts,
Tokyo, seit 2005 als abstrakter Künstler und freischaffender
Illustrator in Japan und im Ausland tätig; Ausstellungen und
Beteiligungen seit 2005; Werke in nationalen und inter-
nationalen Sammlungen enthalten; lebt und arbeitet in der
Nähe von Tokyo.

Frank Gottsmann

Gefundenes, Gesehenes und Erlebtes sind Ausgangspunkte meiner Arbeiten.
Das Abbilden interessiert mich dabei nicht. Städtischer und ländlicher Raum sind die Pole, zwischen denen ich mich bewege. Aus Versatzstücken von Wirklichkeit entsteht in einem Prozess mit offenem Ausgang eine Bildwirklichkeit parallel zu der uns umgebenden Realität.
Das spielerische, collageartige Herstellen einer neuen Ordnung produziert
Assoziationsräume und Leerstellen, welche Platz für eigenes Erleben lassen.
Linie und Fläche und sich überlagernde Elemente erzeugen einen Rhythmus, bei dem ab einem für mich nicht definierbaren Punkt das Bild die Regie übernimmt. Im Dialog mit dem Bildgeschehen interessiert mich seit geraumer Zeit die fortschreitende Reduzierung meiner Mittel. Das betrifft sowohl die Farbe als auch die Bildelemente.

1956 in Kleinmachnow geboren; 1977-1982 Studium
der Malerei an der Kunsthochschule Berlin Weißensee;
1996-2022 Lehrer für Grundlagen der Gestaltung/
Zeichnen im Fachbereich Design an der Fachhochschule
Potsdam; zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungs-
beteiligungen im In-und Ausland; lebt und arbeitet freiberuflich in
Berlin und in der Uckermark.

Christine Geiszler

Mich fasziniert die Aura von grauen Bleistiftflächen. Zeichnen ist für mich eine künstlerisch-forschende und eine Achtsamkeitspraktizierende Tätigkeit. Mein Thema ist die ständige Befragung des Materials Papier und Bleistift, wie durch die Ausdehnung von Bleistift-Grau sensitive, sanfte, unaufgeregte Flächen entstehen. Die Beschäftigung damit führt zu präzisen, mit und ohne Lineal ausgeführten Linien-Flächen, zu schraffierten und strukturierten Flächen oder zu fast eintönigen Graphitflächen. Ein Werk wird oft nach seiner Spannung beurteilt und für gut befunden, Kontraste oder dramatische Kompositionen spielen dabei eine wichtige Rolle. Ich versuche eher, die Aufregung in meinen Arbeiten zu verhindern. Mich reizt die Reizlosigkeit.

1977 in Cottbus geboren; 2015-2020 Studium an der Akademie für Malerei Berlin; Meisterschülerin bei Andreas Amrhein; 2020 Katalogförderung und
Veröffentlichung Signifikante Signaturen Band 77; 2021 Stipendium „Arbeitspakete“ des MWFK; Mitglied im Kreative Lausitz e.V. u. BBK Brandenburg; lebt und arbeitet freiberuflich in Cottbus

Oliver Lunn

Ich begann die Serie Erased Collages als Anspielung auf Rauschenbergs Erased De Kooning. Ich wollte sehen, welche Ergebnisse ich erzielen kann, wenn ich alte, verlassene Werke zerlege, das Papier abziehe und mit den Fingern Fragmente wegradiere. Ich verwende in dieser Serie Elemente der Decollage, des Zerstörens und des Subtrahierens, um etwas Neues zu schaffen und gleichzeitig den leeren Raum zu umarmen. Was bleibt, ist ein geisterhaftes Echo eines verlorenen und vergessenen Stücks. In meiner Arbeit erforsche ich Themen wie Verlust und Verfall mit einer visuellen Sprache, die das Sanfte und Weiche umarmt. Ich interessiere mich für sensible Zeichen, die menschliche Berührungen hervorrufen, für die Gegenwart der Vergangenheit, für visuelle Geister und Echos, für leise Details, die im Hintergrund lauern.

1987 in Kent, UK geboren; 2005-2006 Studium an der
University for the Creative Arts in Kent; 2006-2009 Studium
an der Bath Spa University; seit 2018 in Ausstellungen
vertreten; Werke sind in internationalen und nationalen
Sammlungen; lebt und arbeitet in London

Martin Bartels

Verlassene Orte – lost places, haben für mich eine besondere Magie. Man spürt die Gegenwart des Vergangenen – dessen, das nicht mehr ist. Die Überbleibsel, die Relikte, sind stumme Zeugen, Artefakte einer überkommenen Zeit. Diese Orte strahlen für mich eine Leere aus, ohne wirklich leer zu sein. Was fehlt, sind die Menschen, die Nutzung, der Sinn.
Von diesem Gefühl motiviert, finden immer wieder Fragmente verlassener Kulturlandschaften und Industriebrachen ihren Weg in meine collagiert-malerischen Bildgefüge und thematisieren auf lyrische Weise das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine sowie zwischen Individuum und Apparat. Ausgangspunkt bilden oft gefundene Materialien, die in einen Dialog treten und die Bildthematik anstoßen. Durch meine experimentelle Arbeitsweise verändern sich die Arbeiten oft mehrfach grundlegend.
Leere ist für mich daher kein Zustand, sondern Kontrast.

1977 in Berlin geboren; 1998-2002 Studium an der
Humboldt-Universität zu Berlin; 2002-2008 Studium an
der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; 2006 Auslands-
Studium an der École Supérieure des Beaux-Arts Marseille;
2008-2012 Meisterschülerstudium bei Tristan J. Pranyko;
lebt und arbeitet in Berlin und Prenden/ Brandenburg

Nicole Fehling

So sehr uns die alltäglich benutzten Artikel des Konsums vertraut und damit oftmals selbstverständlich nutzbar sind, so groß ist der Schrecken, wenn Leere im Regal herrscht. Seit Beginn meiner künstlerischen Arbeit beschäftige ich mich mit Verpackung: Herstellungsprozess und Eigenschaften, Material, Masse, Raum und Zeit. Dabei adaptiere ich bekannte Formen und erweitere deren Wirkungsweise durch Reduzierung auf ihre wesentliche Rolle als Papierhülle. Ergebnisse meiner Arbeit liegen zwischen Collage, Zeichnung, Installation, Untersuchung, Malerei und Fotografie. Feldforschung und Materialerkundung sind die wichtigsten Bestandteile meiner künstlerischen Tätigkeiten. Wenn die persönliche oder übergreifende Weltordnung aus dem System gerät, bekommen sowohl die reale Fülle als auch die Leere zunehmend essentielle Bedeutung.

1969 in Marburg geboren; Diplom Kommunikationsdesign Hochschule Rhein Main; Diplom Freie Bildende Kunst Universität Mainz bei Frau Prof. Knoche-Wendel; ab 2001 freischaffende Künstlerin; 2020 Arbeitsstipendium Kunstfond Bonn; 2021 Brückenstipendium Hessisches Ministerium; Atelierstipendium Künstlerverein Walkmühle; lebt und arbeitet in Wiesbaden

Selma Dronkers

Ich bin völlig fasziniert von der Linie und ihren grenzenlosen Möglichkeiten, um jede beliebige Oberfläche gestalten zu können. In den hier gezeigten Zeichnungen untersuche/erkunde ich, wie weit ich mit sehr dünnen Linien gehen kann: Wann wird es zu diffus, wann bleiben die Linien sichtbar und bilden ein Ganzes? Auch die Absorption durch die Oberfläche ist von großer Bedeutung. In Verticals 3 habe ich fast ohne Druck gezeichnet, mit vielen zufälligen kleinen weißen Flächen als Ergebnis. Die Zeichnungen haben ihre Wurzeln in einem beeindruckenden Erlebnis auf dem Meer, während ich in einem sehr kleinen Boot segelte. Wegen der Feuchtigkeit gab es keinen Horizont; Himmel und Ozean/Meer waren ein einziger grenzenloser Raum.
Ich konnte mich nicht konzentrieren und fühlte mich Sekunden lang wie verloren. Und dann fühlte ich mich erleichtert und frei. Meine Arbeit stellt unbewusst meine Erfahrungen auf dem Meer auf abstrakte Weise dar
und möchte ein Gefühl des Staunens und der Zeitlosigkeit hervorrufen.


1957 in Amsterdam, Niederlande geboren; 1979-1984
Studium an der Hochschule der Künste; 1984-1986
Studium an der Akademie für Freie Kunst in Arnheim;
ausgebildet in klassischem Zeichnen und Malen, Lithografie,
Radierung, Fotografie; zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen
In Galerien und Museen; lebt und arbeitet freiberuflich auf einem
Segelboot und in Nijmegen/Niederlande.

Erdal Ates

In meinen Arbeiten, in denen ich mich auf kalligrafische Skizzen konzentrierte, wollte ich mit einer informellen Perspektive und Motivation alle Lücken auf dem Papier beseitigen und den Übergang in den neuen schwarzen unsichtbaren Raum erleben. Mein Hauptausgangspunkt war, mich von der Bedeutung zu entfernen und eine visuelle Sprache aus einer Sprache zu schaffen, die ich nicht kenne. Formen, die auf einer Kakophonie aufgebaut sind, haben beide ein Gegenstück oder nicht. Es ist sowohl eine Sprache als auch eine Stummheit. Diese visuellen Erzählungen, die ich mir vorstelle, indem ich Lücken lasse, diesen Werken von den Betrachtern einen Sinn gebe oder die Lücken fülle, bildeten schon immer die Grundlage meiner Kunstreise.

1971 in Ankara, Türkei geboren; 2004–2007 Studium in Soziologie und Malerei, Universität; seine Arbeiten umfassen Malerei, Assemblage, Installation und Objekt-/Licht-Arrangement; lebt und arbeitet seit 2007 freiberuflich in Ankara.

Gisoo Kim

Meine ausgeschnittenen Fotos werden nur noch mit Fäden zusammengebunden und bauen Elemente im Leerraum. Fotos, auf denen beide Seiten arrangiert sind, zeigen lineare Positionen. Durch das Nähgarn werden die unterschiedlichen Fotomotive zusammen in ein Bild kombiniert und zeigen reale und surreale Zusammensetzungen. Stickerei mit Fotografie ist für mich auch eine Zeichnung auf Fotografie. Diese Strickspur führt das Bild in die verschiedenen Ebenen und Strukturen. Die unterschiedlichen Fäden sind mal gegenständlich zu lesen, mal erscheinen sie abstrakt.

1971 in Seoul, Korea geboren; 1991-1995 Studium
Bildhauerei in Korea; 1997-2002 Studium Freie Kunst
bei Prof. F,E, Walther und Wiebke Siem an der Hochschule
für bildende Künste in Hamburg; 2002-2004 Studium Freie
Kunst bei Prof. Magdalena Jetelova und Irmin Kamp an der
Kunstakademie Düsseldorf, lebt und arbeitet in Essen-

Bernd Uhde

1950 geboren in der Nähe von Düsseldorf; 1971-1976
Studium an der Hochschule für Bildende Künste Berlin;
1978-1983 Studium an der Film- und Fernsehakademie
Berlin; 1985 bis 2000 Realisierung verschiedener Filmprojekte;
2001 Start des Fotokunstprojektes „Airrealart“; seitdem zahl-
reiche Ausstellungen im In- und Ausland; Veröffentlichung
verschiedener Buchprojekte; diverse Auszeichnungen für seine
künstlerische Tätigkeit; lebt und arbeitet in der Nähe von Lüneburg.

Ulrike Hogrebe

Seit meinem Wechsel von der Großstadt in das Ländliche erlebe ich die Aura von Landschaft, Vereinzelung, Einsamkeit und Absonderung.
Das Erlebnis,
sich in einem überdimensionalen, fast grenzenlosen, offenen Raum zu bewegen, gibt mir eine neue Intimität der Selbstfindung. In tagebuchähnlichen Randnotizen halte ich inne, suche ein Einverständnis mit der Außen- und Innenwelt. Meine Arbeiten pendeln zwischen Reduktion und Realismus, wobei ich immer im fantasievollen Erlebbaren ankere. Von Bild zu Bild verdichte ich Natur, Kultur und Zivilisation zu einer Serie von Stillleben, die bei näherem Hinsehen befremdlich poetisch wie aufregend erscheinen. Ein Prozess des Erfindens von Wirklichkeiten, ein Prozess, der begreifen lässt, dass unsere eigene Wirklichkeit nur eine von vielen Möglichkeiten des „Realen“ ist.

1954 in Münster geboren; 1975-1978 Hochschule für Bildende Künste bei Prof. Schoenholtz und Prof. Ohlwein; 1978-82 Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Berlin; Karl-Hofer-Stipendium; Arbeitsstipendium des Berliner Senats; Kunsthaus Lukas-Ahrenshoop; Brandenburgischer
Kunstpreis; Kunstpreis Roland-Gräfe Stiftung; lebt und arbeitet in Neuwerder/ Brandenburg

Michael Kruscha

Wüsten und karge Gegenden sind für mich ein Faszinosum. Sie geben mir vielfache Anregungen, wie intim sich die wenigen Markierungen und verborgenen Bildelemente in der Leere anfühlen. Diese menschengemachten Einöden kannte ich natürlich auch aus meiner Heimat, der vom Braunkohletagebau gebeutelten Lausitz. In vielen alten Utensilien, wie Tapeten, Briefe, Aufzeichnungen und Karten, entdeckte ich für mich die Möglichkeit sie malerisch zu bearbeiten, zu fragmentieren und zu überformen, um sie so abzulegen. Sie dienen in collagehaften Prozessen als Ausgangspunkt für Details, Strukturen, Koordinaten und Maße für Pläne oder Landkarten. Diese Verortungen überarbeite ich später mit Farbe, um zu reduzieren und zu konzentrieren. Meine Bilder entstehen sehr langsam, für mich mittlerweile in den letzten Jahren eine Absage an den schnellen Blick.

1961 in Hoyerswerda geboren; 1980 Berufsabschluss
zum Kranführer; 1999-2001 Studien der Malerei bei Prof. Daniel Fischer, Academy of Fine Arts Bratislava; seit 2015 Mitgründer und verantwortlich für den Kunstraum Braugasse;
2018 Deutscher Fotobuchpreis in Bronze; seit 1998 nationale
und internationale Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien
und Museen; lebt und arbeitet freiberuflich in Berlin


Antje Taubert

Ich konnte kaum lesen, so finster war es geworden, das Buch in meinen Händen wurde grau, endlich begann mir der Druck vor den Augen zu verflimmern, aber das leere Stück der Seite zeigte an, dass ich ans Ende dieser Geschichte gelangt war, die ich im Licht der eigenen Erlebnisse für sehr wahrscheinlich ansah. Stanislaw Lem, aus „Solaris“ 1961

1969 in Berlin geboren; 1986-1989 Lehre als Betonwerker
mit Abitur; 1995-2001 Studium der Malerei an der Kunst-
hochschule Berlin; 2003 Meisterschülerabschluss bei Prof.
Hanns Schimansky, Kunsthochschule Berlin;
2010 + 2018, Nominierung für den „André-Evard-Kunstpreis“;
2023 Nominierung für den „Neuköllner Kunstpreis“;
lebt und arbeitet freiberuflich in Berlin.

Frank Coldewey

Die zwischen bemaltem Objekt und plastischem Gemälde changierenden architektonischen Gebilde aus der Reihe „Stability“ sind gefertigt aus Karton, Papier, Holz und Schnur und werden allein durch weißen Acryllack verfestigt und zusammengehalten. An der Wand hängend angebracht, sichern sie so äußerst fragil ihren eigenen, improvisiert erscheinenden Zustand ab. Derart der Schwerkraft ausgesetzt, zeigen sie, wie relativ Stabilität ist.

1956 in Bremerhaven geboren; 1973-1976 Lehre als Glasmaler;
1977-1983 Studium Malerei Hochschule der Künste Berlin, Meister-
schüler bei Prof. Hermann Bachmann; 1984-1986 Atelierstipendium
Karl-Hofer-Gesellschaft; 1990 Arbeitsstipendium Senatsverwaltung
für kulturelle Angelegenheiten, Berlin; lebt und arbeitet in Berlin.

Teresa Casanueva

Wir können nicht im Raum sein. Der Raum sind wir selbst. Körper, Seele und Geist. Diese Erkenntnis bildet das Fundament meiner Arbeit. Alles Körperhafte in seiner unvermeidbaren wie widersprüchlichen Existenz ist in Beziehung all seiner Elemente zueinander. Unsere sinnliche Wahrnehmung ist fein, zergliedert und vielschichtig. Mich interessieren diese feinen Ebenen verschiedener Realitäten und Charaktere mit ihren eigenen Stimmungen und Atmosphären. Die kartesianischen Räume bilden metaphysische Architekturen. In ihnen spiegeln sich alle möglichen Existenzen. Die Objekte sind filigran und ziehen den Blick nach innen, um der inneren Geometrie, ihren Bezügen und Beziehungen, Verbindungen und Zusammenhängen auf die Spur zu kommen. In der offenen Struktur des Objektes verwirklicht sich durch das Spiel des Lichts seine eigene zeichnerische Erweiterung im Raum. Das einfallende Licht dehnt das Potenzial sich wandelnder Erscheinungen aus. Am sichtbarsten wird dies bei den schwarz-weißen Objekten aus Pappe in ihrer offensichtlichen Nähe zu den grafischen Eigenschaften der Zeichnung.

1963 in Havanna geboren; 1985-1990 Kunststudium an der
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Fachbereich Textil;
1991-1994 Aufbaustudium Malerei/ Grafik; Abschluss Diplom
in beiden Fachbereichen; seit 1991 Einzel- und
Gruppenausstellungen; Teilnahme an internationalen
Animationsprojekten für Kino und Fernsehen;
Als bildende Künstlerin freiberuflich in Berlin.

Gesa Lange

Ausgehend von der These, dass die Linie nicht eigenständig, sondern die Benennung für eine Form der Fläche ist, beschäftige ich mich in meinen Bleistiftzeichnungen genauso wie in den Fadenzeichnungen mit Grenzen, Überschneidungen, Zuständen und Momenten im Allgemeinen. Ich untersuche Räume, die zwischen dem Wechsel von einem Zustand in einen anderen Zustand entstehen können und die sich meistens jeglicher Greifbarkeit entziehen. Dabei gehe ich der Frage nach, ob es überhaupt einzelne abgeschlossene Zeiträume geben kann oder ob sich jeder Augenblick in einem unkoordinierten, ungewissen und nicht definierbaren Moment befindet. Versuche ich, einen vermeintlichen Zustand zu beschreiben, zerstöre ich ihn auch gleich wieder durch Überarbeitung in Form von Entfernung, Umwandlung oder Weiterführung und Ergänzung der Beschreibungen. Hierbei schiebt sich der Versuch, Erlebtes zu bewahren und somit immer wieder erfahrbar zu machen, regelmäßig hinter die Erkenntnis, dass diese Momente sich längst mit dem Jetzt verbunden haben, davon nicht zu trennen sind und dennoch auf eine erneute Überprüfung warten. Raster und Muster stellen als Ordnungs- und Orientierungshilfe der Gedankengänge eine Grundlage meiner Untersuchungen dar.

1972 in Tongeren/Belgien geboren;
1997-04 Studium/Diplom Illustration, Fachbereich Gestaltung, HAW Hamburg; 2007-11 Lehrauftrag für Zeichnen, Department Design HAW Hamburg; 
2010-16 Studium freie Kunst/Master of Fine Arts, HFBK Hamburg;
seit 2011 Professur für Zeichnen, Department Design, HAW Hamburg

lebt und arbeitet in Hamburg seit 2004 Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen; Zeichnungen und Künstlerbücher in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

Johannes Regin

Ein Hineinsehen in den Mikrokosmos von Johannes Regin, in sich überlagernde Spurenfragmente mit kleinsten Abweichungen von Punktsetzungen, von Spannungsverschiebungen im Rhythmus seiner Raster erfordert Konzentration. Durchsickernde, alte Farbspuren und Zeichenreste erregen Aufmerksamkeit. Die Fülle in der gleichmäßig erscheinenden Ordnung dieser meditativen Bildräume wird wahrnehmbar. Bei den einzelnen Punkten handelt es sich um zweifach und dreifach übereinander gesetzte Punktzeichen. (I.Kondeyne)

1986 in Neubrandenburg geboren, 2007–2012 Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; 2013 Meisterschüler bei Hanns Schimansky, Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, in Sammlungen vertreten, lebt und arbeitet in Berlin und Spechthausen/Eberswalde.

Daniela Wesenberg

Die Linie.
Die Leere.
Die Leerstelle. Oder das Dazwischen.
Die Linie, die Formen hervorbringt.
Strukturen.
Die Linie, die Raum schafft.
Der Punkt, die Pause. Die Leerstelle.
Der Punkt, der die Linie hervorbringt.
Das Wechselspiel von Struktur und Leerraum.
Das, was da ist. Und das, was nicht da ist.

Beides ist gleich wichtig.

1973 in Friedrichroda geboren; 1992-1996 Ausbildung zur Goldschmiedin an der Staatl. Zeichenakademie Hanau, 2000 – 2007 Studium der freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg; verschiedene Atelier- und Projektstipendien, Landesstipendium Sachsen-Anhalt, Nominierungen für den Kahnweiler-Preis, den Nordwest Kunst Preis sowie den 13. Nordhäuser Grafikpreis; Lehraufträge an der HAW Hamburg und der Staatl. Akademie der bildenden Künste Stuttgart. Lebt und arbeitet in Hamburg;

Wulf Winckelmann

Menschenleere. Die Natur braucht den Menschen nicht. Eher im Gegenteil. Eigentlich müsste die Natur glücklich sein über jegliche Abwesenheit des Menschen. Ich selbst bin es allerdings ganz besonders in einer menschenleeren Natur. Tiefe Wälder, Meere, Wüste, Eis und Schnee; weite Himmel über einem Horizont, der mal mehr, mal weniger sichtbar erscheint: Dies sind die Inspirationen zu meinen Gemälden, die langsam, Schicht über Schicht aus verschiedenen Farbmaterialien entstehen. Deckend oder lasierend überlagern sich diese Schichtungen, werden teilweise wieder entfernt, hinterlassen Spuren, überdecken das Gewesene, lassen das Konkrete zurücktreten und zum Erahnten, zum Abstrakten werden. Das reduzierte Wenige, das bleibt, die entstehende Leere: Sie ist ein unermesslicher Freiraum und Kosmos, den wir immer aufs Neue mit unserem Geist füllen können. Im Frühjahr 2017 konnte ich auf einer Reise die Inselgruppe Spitzbergen besuchen, die sehr einsam und weit über tausend Kilometer nördlich des norwegischen Nordkaps im Polarmeer liegt. In der Landessprache heißt das Archipel Svalbard, was übersetzt schwarze Küste bedeutet und auf die bizarren kohlehaltigen Gesteinsschichtungen aus der Karbonzeit zurückzuführen sein dürfte, die in zahlreichen Verwerfungen und Brüchen an den Flanken der Berge sichtbar sind. Unter dem reichlichen Frühjahrsschnee ist hiervon meist nur noch wenig sichtbar. Bei einsetzendem Schneefall bleibt allenfalls noch eine Ahnung der Berge und kommt schließlich Nebel auf, verschwindet die Welt in einem grenzenlosen Weiß und in absoluter Stille.

1967 in Freiburg im Breisgau geboren. Studium und Diplom im Fachbereich Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Mainz. Danach selbstständig tätig im Bereich Corporate Design und als Buchgestalter für deutsche Verlage. Parallel und später ausschließliche Arbeit als freischaffender Künstler. Er realisierte zwei Bühnenbilder und viele Kunst-am-Bau-Projekte insbesondere in Hong Kong. 2003 Mitbegründer des Künstlerverein Walkmühle in Wiesbaden. Seit 1998 Umfangreiche Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland. Wulf Winckelmanns Arbeiten befinden sich in zahlreichen internationalen Sammlungen. Er lebt und arbeitet vornehmlich in Wiesbaden.

Axel Schweppe

Material sieht aus, fühlt sich an, hat Form, Farbe, Dichte – und Klang. Dieser bildnerische Aspekt beschäftigt mich besonders. Das Spielen und Erkunden dieser klanglichen Ebene führt zu Videos, Skulpturen und Objekten, die in Installationen, Aktionen und Konzerten zum Einsatz kommen. Im ausgestellten Video ist es ein bewegtes statisches Klangbild.

Seit 1986 zahlreiche Ausstellungen, Konzerte und Klangaktionen.
Studium Musik, Germanistik und Ethnologie. Studio und Atelier in Köln und Wiesbaden.

Albert Weis

Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die Auseinandersetzung mit der urbanen Umgebung, mit der Moderne und der Gegenwart. Ich untersuche Erzählungen und Formen des Alltäglichen und übersetze diese in ein skulpturales und situatives Vokabular. Bevorzugter Ausgangspunkt sind die in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstandenen Architekturkomplexe, in deren Formensprache sich utopische Organisationsformen widerspiegeln. Dabei interessiert mich insbesondere das skulpturale Formvokabular architektonischer Elemente. Die Papierarbeiten “folders“ bilden über das Moment der Faltung und Beschichtung räumliche Strukturen aus. Die unterschiedlichen Punkt- und Linienraster, mit denen in den 1960er- und -70er-Jahren die Pläne und Blaupausen für die architektonischen Planungen erstellt worden sind, überlagern sich bei den Papierarbeiten zu irritierenden Strukturen, die wieder an städtebauliche Strukturen oder an urbane Leerstellen erinnern.

1969 in Passau geboren, Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München, 1997 Meisterschüler bei James Reineking. Weis erhielt u.a. 1999 den Förderpreis für Bildende Kunst der Stadt München, 2001 den Bayerischen Staatsförderpreis für Bildende Kunst, 2008 das Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds. 2009 war er als Stipendiat in der Villa Aurora in Los Angeles, 2009/10 mit einem Stipendium der Kulturverwaltung des Berliner Senats an der Cité Internationale des Arts in Paris. 2014 war Weis als Artist in Residence am Irish Museum of Modern Art in Dublin. Weis’ Installationen und Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, u.a. Center for Curatorial Studies, Bard College, New York, Haus der Kunst München, Kunstmuseum Bonn, Sprengel Museum Hannover, Centre d’art Passerelle, Brest, Kunstmuseen Krefeld/Haus Lange, Akademie der Künste, Berlin, IMMA Irish Museum of Modern Art, Dublin. Lebt und arbeitet in Berlin.